
„Heilige Maschinen“ und digitale Prozessionen
Die neue Religion im Vormarsch
Auch die Religionen unterwerfen sich inzwischen der Robotik und der sogenannten Künstlichen Intelligenz. Dabei handelt es sich – streng genommen – gar nicht um Intelligenz, sondern um einen Rechenbeschleuniger, der in der Informatik treffend als „stochastischer Papagei“ (stochastic parrot) bezeichnet wird. Solche Systeme entwickeln weder Gedanken noch Begriffe. Sie erzeugen Antworten, indem sie Wörter auf der Grundlage probabilistischer Berechnungen und statistischer Muster zusammensetzen, die sie aus den Daten gelernt haben, welche Menschen mit ihrer eigenen Intelligenz eingespeist haben.
Diese „Papageien-Robotik“ hat bereits im Buddhismus Einzug gehalten, insbesondere in Südkorea und Japan. Dort setzen Tempel inzwischen Roboter-Mönche ein, die bei Ritualen assistieren, Fragen beantworten und das Interesse am Buddhismus neu beleben sollen. Gabi heißt der Android, der am 6. Mai dieses Jahres in Seoul während einer Mantra-Zeremonie vom Jogye-Orden, der größten buddhistischen Gemeinschaft Südkoreas, zum Mönch „ordiniert“ wurde. In Japan entstand der Buddharoid, ein Roboter-Mönch, der spirituelle Orientierung bieten und über die großen Fragen des menschlichen Daseins sprechen soll. In China wiederum wird der kleine Roboter-Mönch Xianer eingesetzt, der buddhistische Hymnen singen und interaktiv religiöse Fragen beantworten kann.
Ist das ein Spiel, eine Verhöhnung, eine Posse – oder schlicht Wahnsinn?
(…) Weiterlesen