Heilige Maschinen?

„Heilige Maschinen“ und digitale Prozessionen
Die neue Religion im Vormarsch
Auch die Religionen unterwerfen sich inzwischen der Robotik und der sogenannten Künstlichen Intelligenz. Dabei handelt es sich – streng genommen – gar nicht um Intelligenz, sondern um einen Rechenbeschleuniger, der in der Informatik treffend als „stochastischer Papagei“ (stochastic parrot) bezeichnet wird. Solche Systeme entwickeln weder Gedanken noch Begriffe. Sie erzeugen Antworten, indem sie Wörter auf der Grundlage probabilistischer Berechnungen und statistischer Muster zusammensetzen, die sie aus den Daten gelernt haben, welche Menschen mit ihrer eigenen Intelligenz eingespeist haben.
Diese „Papageien-Robotik“ hat bereits im Buddhismus Einzug gehalten, insbesondere in Südkorea und Japan. Dort setzen Tempel inzwischen Roboter-Mönche ein, die bei Ritualen assistieren, Fragen beantworten und das Interesse am Buddhismus neu beleben sollen. Gabi heißt der Android, der am 6. Mai dieses Jahres in Seoul während einer Mantra-Zeremonie vom Jogye-Orden, der größten buddhistischen Gemeinschaft Südkoreas, zum Mönch „ordiniert“ wurde. In Japan entstand der Buddharoid, ein Roboter-Mönch, der spirituelle Orientierung bieten und über die großen Fragen des menschlichen Daseins sprechen soll. In China wiederum wird der kleine Roboter-Mönch Xianer eingesetzt, der buddhistische Hymnen singen und interaktiv religiöse Fragen beantworten kann.
Ist das ein Spiel, eine Verhöhnung, eine Posse – oder schlicht Wahnsinn?
(…)
Abschließend sei daran erinnert, daß die Prozession ein ernstes religiöses Geschehen ist. Wer daran teilnimmt, beteiligt sich bewußt an einem heiligen Akt, dessen Früchte jede einzelne Seele erreichen und der – wie die Kirchengeschichte vielfach zeigt – bisweilen sogar das Leben ganzer Gemeinschaften verändert.
Als im Jahre 1656 in Cava de‘ Tirreni eine verheerende Pest wütete, wurde die Stadt vom Monte Castello aus mit dem Allerheiligsten Sakrament gesegnet; die Epidemie kam auf wunderbare Weise zum Stillstand. In Monteroni di Lecce trug die Bevölkerung 1867 das Kruzifix in feierlicher Prozession durch den Ort, um die Ausbreitung der Cholera aufzuhalten – und tatsächlich erlosch die Seuche. Während der schweren Pest in Turin im Jahre 1613 organisierte der selige Sebastiano Valfrè gemeinsam mit seinen Mitbrüdern des Oratoriums eine feierliche Prozession mit dem Allerheiligsten; von diesem Zeitpunkt an verlor die Epidemie zunehmend an Stärke. Und schließlich sei an Papst Gregor den Großen erinnert, der während der Pest in Rom im Jahre 590 die berühmte Prozession mit der Ikone Salus Populi Romani anführte. Die Seuche endete, und auf dem Mausoleum Hadrians erschien ein Engel – daher trägt die Engelsburg bis heute ihren Namen.
„Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde noch Glauben finden?“ (Lk 18,8).
Derzeit jedenfalls wird den Seelen allzu oft verdorbene Früchte gereicht.
Quelle: katholisches . info, von Cristina Siccardi*
