Zorn

Wie sieht es im Innern eines Christen in der Zeit dieser Massenhysterie aus? Noch sind Christen und Heiden nicht gezwungen einen Maulkorb zu tragen. Wie schnell ist ein Wort der herrschenden Gesinnung entgegnet! Es ergab sich ein Vorkommnis inmitten der letzten Nacht. Dies ist der Grund, warum ich jetzt zur Feder greifen muß.

Wir, die christliche Gemeinschaft und alle Heiden, befinden uns im 2020sten Jahr nach Gottes Offenbarung in Jesus Christus. Wir stehen mitten im kleinen Osterkreis und die Christusgemeinschaft hat sich den weltlichen Herrschaften unterworfen. Diese Zeit ist schrecklich mitzuerleben, mit vielen Leiden durchsetzt und ich bin Dir, Herr, dankbar dies miterleben zu dürfen. Von meiner Natur aus ist es nicht mein Wille. Dein Wille geschehe hier.

Folgend der Auszug einer Notiz aus meinem Nächtebuchi:

 

Kirchenschiff: abgeschlossen!
Vorraum: geöffnet.
Oh Herr!
Was geschieht hier?
Dienst nach amtlichen Bürozeiten?
Werden Gläubige nicht mehr gebraucht?
Die Maschine läuft auch ohne sie.
Geld fließt, Ämter sind vergeben.
Normalität vorher und im Blick danach?

 

Jesus Christus,
ich bin so froh, daß Dir
der Dienst nach Vorschrift
ein Greuel war und ist.

 

Ich bin zornig!
Die in schöne Worte gekleideten, schlangenartigen Krakenarme weltlicher Versuchung greifen nach der Hl. katholischen Kirche. Gepackt haben die runzeligen Greifer sie schon und schütteln sie bis der Grund erzittert. Der Krakendrache versucht sie, versucht die Kirche aus den Wurzeln zu reißen, schüttelt sie mitsamt den Glockentürmen und heraus purzeln die Halbgläubigen.
Sie stürzen heraus in eine vermeintliche Sicherheit, inmitten der Postmoderneii, welche die Gestürzten halbwegs auffängt in den bunten und vielfältigen Wirrnissen der Welt. Nun reflektieren sie die schönen Scheine eines jeden Anderen, sie sind sich versucht in bodenloser Scheinheiligkeit.
Einige wenige klammern sich in der hin- und hergerüttelten Kirchenfeste ans Gestühl, krallen ihre Fingernägel in die Bodenfugen und an die zwölf Säulenmäste des hohen Kirchenschiffes. Sie wollen um nichts in der Welt sich von Jesus und dem beständigen Versammlungsort von Engeln und Heiligen trennen lassen. So fest sie im Glauben sind, genauso fest ist ihr kraftvoller Griff in den Fels dieser einen Kirche.
Manche von diesen Glaubensfesten hoffen, daß die Abgefallenen sich in ihrem niederen Tun wenigstens noch an Sokratesiii und seine drei Siebe erinnern:

 

Ist es wahr? Ist es gut? Ist es notwendig?

 

Abgefallen bedeutet vollkommen haltlos zu sein. Deren einzige Gewißheit sind die ständig rot und heiß glühenden Kohlen unter ihren Füßen. Eine jede von ihnen repräsentiert eine Meinung, die immer nur relativ zu einer anderen steht und höfisch bedacht sein muß. Gewiß ist ihnen auch der immerwährende übelste Odem angstvoller oder Angst machender Ausdünstungen des gequälten Seins im Gegenüber. Deren Not im Abfall ist absolut! Wer von ihnen wollte in Not sein? Wißt ihr denn noch nicht einmal mehr, was Not überhaupt ist?
Sokrates drei Siebe mögen den Abgeschlagenen fernab von Gott ein Behelf zur Erkenntnis sein:
Ja, die Qualen in der Welt sind wahr. Ja, sie sind die Hölle. Ja, es ist größte Not.

 

Die Höllenfahrt ist wohl keine bewußte, freiwillige Option. Sie gibt es auch nicht nur ein bißchen. Sie wird gerne als Alternative bezeichnet. Die Alternative ist der lockende Begriff aus dem Mund einer verbrannten Seele von tief unten aus dem Höllengrund, um so viele andere Seelenträger wie möglich von deren Suche nach der Wahrheit in die Irre zu führen. Kann ich noch irgendetwas für jene von Dir Abgefallenen tun – Herr?

 

Jesus ist das Haupt und wir Gläubigen bilden seinen mystischen Körperiv:

 

21 Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Furcht Christi!
22 Ihr Frauen euren Männern wie dem Herrn;
23 denn der Mann ist das Haupt der Frau wie auch Christus das Haupt der Kirche ist. Er selbst ist der Retter des Leibes.
24 Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen in allem den Männern unterordnen.
25 Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat,
26 um sie zu heiligen, da er sie gereinigt hat durch das Wasserbad im Wort!
27 So will er die Kirche herrlich vor sich hinstellen, ohne Flecken oder Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos.
28 Darum sind die Männer verpflichtet, ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst.
29 Keiner hat je seinen eigenen Leib gehasst, sondern er nährt und pflegt ihn, wie auch Christus die Kirche.
30 Denn wir sind Glieder seines Leibes.

 

Jedes Glied bestreitet in sich den Kampf für das Gute und gegen das Böse. Für Andere, also für Mann oder Weibv, in sich selbst und für unseren Herrn.
Was geschieht in diesem merkwürdigen Selbst? Dieses Vorkommnis kürzlich in der Nacht, es gab mir den Hinweis darauf, wie mächtig die Wahrnehmung ist – ohne daß sie mir ins Bewußtsein gelangen täte! Das war passiert:

 

Seit einigen Monaten schon bin ich hin- und hergerissen in der letzten Bastion, dem Reich des Heilsvi gegen die Versuchungen der Welt. Es ist meine Furcht um den außerordentlichen Schatz Kirche und wie manche Christen diese absolute Ungewöhnlichkeit an ihre Bedürfnisse anzupassen wünschen. Nun kommt noch die klerikale Akzeptanz ihrer Irrelevanzvii hinzu, sowie wieder und immer wieder die Selbsterkenntnis, daß ich nicht nur gut bin, sondern ein ständiges Gerangel mit harten Ellbogen in mir stattfindet, das sich eigentlich nur beobachten und dabei das Bösartige sich nie zufriedenstellend unterdrücken läßt.

Vor wenigen Tagen, am Abend des 17. April, tat sich mir wegen dem heftigen Gezerre kein Auge zu, ich stand zu Mitternacht wieder auf und kochte erstmal einen Zigarettenkaffeeviii. Hierzu als überraschende Lektüre eine Empfehlung aus dem Weltnetz über Das Geheimnis des Bösen. Ein hochinteressanter Artikel, doch ganz fern jeder Beschaulichkeit warf es mich nun hin und her. Plötzlich noch diese Schwere auf meinen Schultern, ein unsichtbares Joch drückte sogar auf meinen Kopf, legte sich auf mein Herz und es kam mir nur ein einziger aller möglichen Gedanken in den Sinn. Der sprach: Leg dich hin, sofort hin, flach hinlegen! Nach zehn schleppenden Metern fiel ich mit gebeugtem Oberkörper und schwankendem Schritt mitsamt Joch und zentnerschweren Gliedern ins Bett, wurde durch eine schweißnasse Schwitzattacke durchgedrückt und wartete lahmartig die nächsten Minuten ab.
Das war ein klassischer Kreislaufkollaps. Sowas kenne ich aus meiner kreislauflabilen Jugendzeit oder als Reaktion auf ein ganz außerordentliches Ereignis. Die Jugend ist passé, keine Frage, also was ist daran außerordentlich? In dem oben genannten Artikel überkam mich diese Ahnung, welch große Dimension das Böse beansprucht, im Kleinen wie im Großen!

 

Der immerwährende Widerstreit gegen unchristliche Versuchungen und unvergeßliche, so doch bereute Sünden aus der Vergangenheit, sind die Bremsklötze in den angestrebten Abwicklungen der bunten, vielfältigen und weltlichen Verwicklungen. Als ob mein intra-korporales Heimatschutzkommando fortwährend sowohl Gastrecht mißbrauchende ausländische Schmarotzer, als auch Fremdenfeindlichkeit in mir drin hinter die Schranken weisen muß. Allein dieser Verhalt ist schon ein dickes Ding für sich.

 

Wie sieht es im Außen aus, extra-korporal bis hin zu weltweit, wozu heutzutage die Inter-Nationalsozialisten nicht mehr unschön Imperium, Weltimperium oder Großreich sagen, sondern es beschönigend Globalisierung oder Neue Weltordnung (NWO) nennen. Als ob es eine neue Ordnung im imperialen Hauen und Stechen geben könnte. Höchstens das finale Ende aller Ideologien in der Weltdiktatur, größer geht bislang der Wahn nicht.


Ich bringe es jetzt mal auf den Punkt: Vor längerer Zeit wachte ich frühmorgens auf und das allererste, was ich denken oder sagen konnte, war:


Der Mensch versaut es!


Das ist sozusagen die Ausgangslage für die einzig mögliche Rettung, die mein Nächster, ich und ein definierter kultureller Rahmen geschenkt bekommen können – Die Liebe unser
es Herrn und für Ihn unsere Antwort im rechten Glauben.

 

Mein Automat geriet also mitternächtlich erheblich ins Wanken und stand kurz vor dem Umsturz. Das Böse darf nie unterschätzt sein. Es lauert in Unerwartetem, in jedem Denken, in Normen, Normalität, Zugefriedetem, Gewöhnlichem, Erwartetem und der gefälligen menschlichen Schönrede. Es kommt nicht daher und sagtix: Ich bin das Böse! Nein, es kommt daher und sagt es sei das Gute, es schmeichelt mir, betört mich mit eingängigen Flötentönen, phantasiert mich zu schweben, höhlt den Verstand aus, es läßt mich selbst übergeschätzt und eigengewollt zurück. Es hält mich auf in der bewegenden Suche, was denn nun wahr ist. Es hält mich an. Wenn ich es geistig nicht durchdrungen habe, dann ringt es mich körperlich zu Boden.

 

Woraufhin weist der Zorn? Berechtigung in der Sache, inhaltliche Richtigkeit tut Not. Ich mag gar nicht beurteilen, wann der Zorn berechtigt ist oder nicht. Es scheint mir naheliegender zu sein, wie gut es gefügt war, daß die Zornanwandlung auf keinen Anderen gerichtet war. Außer auf mich selbst.
Innerhalb des Zornigen geht es rund, er zwingt alles aus seiner Außenwirkung in die Umlaufbahn um seinen Zorneskern. Im günstigsten Fall findet der Zorn seine ihm eigene Homöostase. Fehlen die bezornten Trabanten dieses Umlaufsystemes, dann fällt irgendwann der von seinen Kräften entzehrte Zornesmann zusammen. Er kollabiert. Er scheitert an sich selbst, zornig sein zu können. Ist es dementgegen nicht ein Geschenk des Himmels, gefahrlos kollabieren zu dürfen? Als Hinweis darauf, daß dieses ganze klerikale und bischöfliche Geschehen für einen jungkatholischen Laien eine Nummer zu groß ist?

Jesus war zornig, als er die Händler aus dem Tempel warf. Er hatte es sich reiflich überlegt und seinen Vater um Rat gefragt. Ist es nicht für alle nachvollziehbar, wie heilend sich Jesu‘ Tat erwies? Mit der Zustimmung des Hl. Vaters im heiligen Zorn den heiligen Boden des Heiligtums in gebotener Heiligkeit bewahrt.
Nun, ich bin nicht Jesus.

 

Oh Herr,
bitte laß mich schauen,
diese Erdenwelt zu verstehen.
Auf Dein stilles Wort hören,
um Deinen Willen zu
tun.
Die laute Welt zu leisen,
in Gelassenheit und Liebe.
Darein forschen Zorn
zu wandeln.

 

May

Geschrieben zur ersten Woche nach dem kleinen Osterfestkreis 2020

 

 

i. Eintrag im Nächtebuch Nr. 12 vom 15. April 2020.

ii. Postmoderne: Die allgemeine Auffassung, Sinn oder Zustand der abendländischen Gesellschaft, Kultur und Kunst nach der Epoche der Moderne. Ca. Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Gegenwart.

iii. Sokrates Drei Siebe: Quelle ungenau, evt. aus seiner Verteidigungsrede; 469 – 399 v. Chr.

iv. Epheser 5, 21 – 30. Bibel, Einheitsübersetzung 2016.

v. Mann / Weib analog den Begriffen männlich / weiblich.

vi. Siehe auch die Wortmeldung Kirchgangblockade vom Heiligen Abend 2019:
https://jessesmaria.net/die-kirchgangblockade/

vii. Systemirrelevanz der Kirche, exemplarische Artikel zum Thema:
a) Sind Kirchen nicht „systemrelevant und existenzsichernd“? Kommentar im „Südkurier“: Sogar die Kirchenführer zählen die Dienste religiöser Gemeinschaften „nicht“ zu den „Grundbedürfnissen“ – „Die Schnelligkeit, mit der die beiden Kirchen die Segel gestrichen haben, überrascht“. Artikel bei kath.net vom 26.03.2020.
b) Skurrile Kirchenratswahl in Luzern. Zitat: „Diese Wahl hat mir gezeigt, wie weit sich die römisch-katholische staatskirchenrechtliche Körperschaft der Stadt Luzern von der katholischen Kirche entfernt hat.“ Gastkommentar von Philipp Wilhelm (Präsident von „Pro Ecclesia“/Zentralschweiz). Artikel bei kath.net vom 03.01.2017.
c) Kirche, wo bist Du? Zitat: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Das Brot des Lebens gibt es jedoch nicht Sonntagmorgen in der Bäckerei und an der Tankstelle. Macht die Kirchen auf, man hätte sie niemals schließen dürfen.“ Artikel von Birgit Kelle, vollekelle.de, ohne Datum.
d) Unverhältnismäßiger Eingriff in das Grundrecht durch Bischöfe. Zitat: „Die österreichischen Bischöfe verkennen die Rechtslage und marginalisieren die Religionsausübung – Gastkommentar von Silvia Behrendt, ehemalige Rechtsexpertin der WHO“. Artikel bei kath.net vom 23.04.2020.

viii. Zigarettenkaffee: Eine Tasse bekömmlichen Kaffee trinken und dazu eine Zigarette rauchen.

ix. Angelehnt an die Vorgehensweise der neuen Faschisten: „Die neuen Faschisten kommen nicht und sagen: Hi, wir sind die Faschisten, sondern sie sagen: Hi, wir sind die Anti-Faschisten“. Quellenlage ist unklar, die Aussagekraft bleibt bestehen.

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